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Landtagswahl 2026: Wie die Parteien die Film- und Festivalpolitik in Baden-Württemberg ausrichten wollen

Welchen Stellenwert haben Film- und Kinokultur und Filmfestivals für die Parteien in Baden-Württemberg?
Welchen Stellenwert haben Film- und Kinokultur und Filmfestivals für die Parteien in Baden-Württemberg? (Foto: IDIF/Jürgen Rösner)

Im Vorfeld der Landtagswahl am 8. März 2026 hat das Netzwerk der Filmfestivals in Baden-Württemberg die im Landtag vertretenen Parteien zu ihren kultur- und filmpolitischen Positionen befragt.

 

Die Antworten von CDU, Bündnis 90/Die Grünen, SPD, FDP und Die Linke geben Aufschluss darüber, welchen Stellenwert Film- und Kinokultur, Filmförderung und insbesondere Filmfestivals künftig einnehmen sollen. Wir haben die Antworten auf die Wahlprüfsteine zusammengefasst.

CDU: Weiterentwicklung mit Haushaltsdisziplin

Die CDU betont die kulturelle und wirtschaftliche Bedeutung von Film und Kino. Filmfestivals werden als „nachhaltige Bausteine“ einer ganzheitlichen Filmkultur verstanden. In der Filmförderung setzt die Partei auf strukturelle Weiterentwicklung, bessere Verzahnung von Ausbildung, Produktion, Verwertung und Festivalwesen sowie auf planbare Förderlinien.

 

Gleichzeitig stellt die CDU die Förderung unter den Vorbehalt solider Haushaltsführung. Verbesserungen sollen in ein tragfähiges Finanzierungskonzept eingebettet sein. Positiv hervorgehoben wird, dass nicht verausgabte Mittel künftig im System verbleiben und für Folgeprojekte genutzt werden können – ein Schritt zu mehr Flexibilität.

Bündnis 90/Die Grünen: Kontinuität, Ausbau und nachhaltige Standards

Die Grünen verweisen auf bereits erfolgte Erhöhungen der Filmförderung und ein jährliches Gesamtvolumen von rund 38 Millionen Euro für die Film- und Medienbranche. Film wird als Kultur- und Wirtschaftsfaktor gleichermaßen verstanden, mit besonderem Potenzial in Animation, VFX und Games.

 

Filmfestivals gelten als zentrale Plattformen für Sichtbarkeit, Nachwuchsförderung und internationale Vernetzung. Die Partei setzt auf kontinuierliche Unterstützung, stärkere Kooperationen zwischen Festivals, Kinos und weiteren Akteurinnen und Akteuren sowie auf praxisnahe Förderkriterien. Zudem sollen Rückflüsse aus Förderungen künftig direkt wieder in neue Projekte investiert werden. Nachhaltige Produktionsstandards werden als Qualitätsmerkmal etabliert.

SPD: Deutliche Aufstockung und industriepolitischer Fokus

Die SPD bewertet die derzeitige Filmförderung als unzureichend und verweist auf Kürzungen im aktuellen Haushalt. Baden-Württemberg drohe im Ländervergleich den Anschluss zu verlieren. Die Partei fordert eine signifikante Erhöhung des Fördervolumens für die MFG sowie eine strukturelle Stärkung der Film- und Games-Branche.

 

Zentral ist für die SPD eine 50-Prozent-Vergabequote im Land, um Wertschöpfung, Arbeitsplätze und Talente in Baden-Württemberg zu halten. Filmfestivals sollen finanziell abgesichert, sichtbarer gemacht und stärker mit Landesinstitutionen wie MFG und SWR vernetzt werden. Langfristig versteht die SPD Festivals als Demokratie- und Kulturorte mit klarer wirtschaftlicher Funktion. Tarifbindung bei geförderten Projekten ist für sie verbindlich.

FDP: Effizienz, Transparenz und Bürokratieabbau

Die FDP bekennt sich zu einer leistungsfähigen Filmförderung, legt den Schwerpunkt jedoch weniger auf die absolute Fördersumme als auf Effizienz, Transparenz und zielgenaue Mittelverwendung. Förderverfahren sollen schlanker, digitaler und planbarer werden.

 

Filmfestivals werden als kulturelle Begegnungsräume und Bestandteil moderner Infrastruktur verstanden. Die FDP plädiert für mehrjährige Perspektiven und eine stärkere Verzahnung mit kommunalen Zuschüssen. Eine optimierte Förderung bedeute vor allem Systemverbesserung statt automatisch neuer Förderlinien.

Die Linke: Planungssicherheit, soziale Standards und Diversität

Die Linke fordert höhere Landesmittel für Kultur insgesamt sowie eine Abkehr von reiner Projektförderung zugunsten nachhaltiger Strukturen mit Planungssicherheit. Filmförderung soll an soziale Mindeststandards und Tariflöhne gekoppelt werden. Zudem strebt die Partei eine gendergerechte Verteilung der Fördermittel an. Filmfestivals werden als Orte kultureller Vielfalt und demokratischer Debatte verstanden, insbesondere auch für queere, feministische und migrantische Perspektiven. Kleinere Festivals im ländlichen Raum sollen gezielt unterstützt werden.

Fazit: Wer befördert den Filmstandort besonders?

Alle Parteien erkennen die Bedeutung von Film- und Kinokultur sowie der Filmfestivals an. Unterschiede zeigen sich jedoch im Umfang und in der strategischen Ausrichtung.

  • SPD und Bündnis 90/Die Grünen setzen am deutlichsten auf einen aktiven Ausbau des Filmstandorts. Die Grünen verweisen auf bereits realisierte Mittelaufwüchse und strukturelle Verbesserungen, während die SPD eine substanzielle Erhöhung der Fördermittel und eine stärkere industriepolitische Ausrichtung fordert.
  • CDU unterstützt die Weiterentwicklung der Filmförderung und strukturelle Reformen, betont jedoch stärker die Haushaltsdisziplin.
  • FDP priorisiert Effizienz und Bürokratieabbau und setzt auf systemische Optimierung statt primär auf Mittelaufwuchs.
  • Die Linke fokussiert sich auf soziale Absicherung, Planungssicherheit und Diversität, weniger explizit auf eine industriepolitische Expansion.

Aus Standortperspektive erscheinen insbesondere SPD und Bündnis 90/Die Grünen als die Parteien, die eine aktive, finanzielle und strategische Stärkung des Film- und Festivalstandorts Baden-Württemberg am deutlichsten formulieren.

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